ABUNDANT LIFE | SCHWEIZ

Red Carpet

Die Vision für das Nagelstudio RED CARPET wurde geboren, als wir Nadia trafen
Nadia saß auf dem Sand. Es war offensichtlich, dass sie schon tagelang auf der Straße lebte. Alles um sie herum war schmutzig, und in der Nähe saßen andere Mädchen, die sich gerade Heroin spritzten. Nadia stand unter Drogeneinfluss, deshalb konnten wir nicht mit ihr sprechen, aber sie rieb sich immer wieder die Zehen, die rot und geschwollen waren und sicher schmerzten. Wir konnten nichts tun als ihr die Hände auflegen und für sie beten. Beim Abschied fühlten wir uns traurig und hilflos, aber es wurde auch eine neue Vision geboren. Wir würden eine Einrichtung eröffnen, wo wir Hilfe anbieten würden – durch Pediküre und Maniküre! Ein paar Monate später eröffneten wir „The Red Carpet Nail Center“ (Nagelstudio Roter Teppich). 

Warum Roter Teppich? 
Um ins Nagelstudio zu kommen, muss man die Stufen heruntergehen. Jede Frau, die das Nagelstudio betritt, ist eine Königstochter, wertvoll und geliebt, die den roten Teppich betritt, um dem König der Könige zu begegnen. 
Im Dezember 2011 eröffneten wir das Nagelstudio RED CARPET. Diese Tagesstätte bietet den Frauen, die hereinkommen, einen sicheren Ort, eine warme Mahlzeit, saubere Kleidung, die wir als Spenden bekommen, einen Platz zum Schlafen und eine Duschmöglichkeit. Neben diesen Grundbedürfnissen, die gestillt werden, können die Frauen Pediküre und Maniküre erhalten, ihre Haare schneiden und frisieren lassen, eine Massage bekommen und außerdem Hygieneprodukte, die ihnen in ihrem Leben auf der Straße helfen. Wir verbinden auch ihre offenen Wunden, die durch die harten Drogen entstehen und geben ihnen Verbandsmaterial für später mit. Außerdem können die Frauen ihre Gefühle im Rahmen der Kunsttherapie, durch Ausmalen oder Zeichnen ausdrücken. 
Es gibt auch Musikinstrumente, so dass die Frauen singen oder musizieren können, wenn sie möchten, und das Team ermutigt sie dazu. 
Manche der Frauen kommen von sich aus noch einmal – um zu reden, sich auszuruhen oder wegen der warmen Mahlzeit. Die Frauen sind Jüdinnen, Araberinnen, aus der ehemaligen Sowjetunion (aus Moldawien, der Ukraine, Weißrussland usw.) und sogar aus Europa und dem Fernen Osten. Die meisten von ihnen sind drogenabhängig, und alle sind Prostituierte. Auch Transsexuelle und Homosexuelle nehmen unser Nagelstudio in Anspruch. 

Während der Nagelpflege können wir ihnen zuhören, sie beraten, Gottes Liebe weitergeben und ihnen dienen. Wir versuchen ihnen zu helfen, wie auch immer wir können. 

Das Hauptziel des Nagelstudios ist es, die Frauen dafür zu gewinnen, dass sie in eines der Rehabilitationszentren gehen, die es in Israel über das Land verteilt gibt, so dass sie in ihrem Leben einen Durchbruch erfahren und wirklich aus ihrer Lebenssituation herauskommen. Deshalb hören die Mitarbeiterinnen den Frauen zu, beraten sie, ermutigen sie, kümmern sich um sie und schenken ihnen Liebe. So entstehen im Nagelstudio tiefe persönliche Beziehungen mit den Frauen, die kommen.
Im Laufe des Gesprächs zwischen einer Beratern und einer Frau und im gesamten Beratungsprozess kommt oft der Grund für die gegenwärtige Situation ans Licht. Meist gab es in der Vergangenheit sexuellen, körperlichen und seelischer Missbrauch, Gewalt, Ablehnung, Traumata und absolutes Misstrauen gegenüber anderen Menschen. Es braucht Zeit, bis die Frauen den Mitarbeiterinnen und dem Nagelstudio vertrauen, aber heute können wir sagen, dass sie uns vertrauen, und dass sie sich bei uns wohlfühlen. 
>> Lesen Sie auch die Zeugnisse der Frauen, die aus dem Teufelskreis ausgebrochen sind.